Geschichtliche Spuernsuche

Flurnamen in der Gemeinde March

von Thomas Steffens 

Da die Straßennamen-Erklärungen anscheinend auf Interesse stießen, möchte ich das Thema noch etwas ausweiten. In unseren Ortsteilen gibt es eine große Zahl aktueller – und noch mehr historischer - Flurnamen und sonstigen Bezeichnungen für Örtlichkeiten im Dorf und in der Gemarkung. Dazu sollen in unregelmäßiger Folge kurze Erklärungen und Erklärungsversuche, geordnet nach "Sachgebieten", erscheinen.

Die hier behandelten Flurnamen sind schriftlich überliefert. Einen Teil – auch der Erklärungen – verdanke ich dem Buch "Die Flurnamen der Freiburger Bucht" von Klaus Peter Roos. Bei den Holzhauser Namen konnte ich mich auf das umfangreiche von Josef Licht erarbeitete Verzeichnis in der Ortschronik stützen.

Heute noch in den Grundbuchatlanten vorkommende Flurnamen sind fett gedruckt. Alte Formen und Zitate kursiv.

Es wäre nicht unwichtig zu wissen, welche Namen heute noch in Gebrauch sind bzw. an welche sich ältere Mitbürger(innen) noch erinnern. Vielleicht ließe sich da einmal eine kleine Sammlung anlegen. 

Geländeerhebungen

"Berg" ist ein relativer Begriff, zumal in March, wo es nur wenig über 200 Meter hinaufgeht. Eigentlich finden wir überall nur Bergle, wie das Holzhauser Gewann (auch: Berglereben) zutreffend heißt. Der (Äußere, Obere) Kellenberg – gedruckt, aber unrichtig: Köllenberg - auf Holzhauser und Neuershauser Gemarkung heißt wahrscheinlich so, weil seine leichte Wölbung einer umgekehrten Schöpf- oder auch Maurerkelle ähnelt. Jedenfalls kommt der kellenberg schon im 14. Jahrhundert schriftlich vor, ebenso wie der Holzhauser Kirchberg oberhalb der Dorfkirche (1327:uf dem kilchberge); auf dem früher einmal Reben standen. Ein "Bergle", obwohl mit steilem Hang, ist auch der Hugstetter Mühleberg (1450: mülleberg), an dessen Fuß sowohl die frühere Mühle (heute: "Teuffels Küche") als auch der alte Steinbruch am "Roten Felsen" liegen. Das südliche Ende ist der "Schiibebuck" (Scheibenbuck), genannt nach dem fasnächtlichen Scheibenschlagen. Wie diese Tradition kommt auch der Name im Breisgau sehr häufig vor.

An dem kolben – geformt wie ein keulenartiger Streitkolben - heißt 1337 der massige, nach Westen steil zum Mooswald hin abfallende Teil des Nimbergs in Neuershausen. Der Alte Kolben im Westen und der Äußere Kolben im Osten ziehen sich über die Gemarkungs- und Kreisgrenze nach Nimburg hinüber.

Im Vergleich mit "Berg", "Kolben" und "Buck" ist der "Büh(e)l" eine sanfte Erhebung. Den Buchenbühl (1344: uffen Buochein bühel) bemerkt man kaum, wenn man ihn auf der Straße von Buchheim nach Neuershausen überquert. Buchheim hat dazu noch eine Ecke vom Neuershauser Roth(en)bühl ("Hügel mit roter Erde", ehemals Wald). In Holzhausen wurde das heutige Wohngebiet Bühl im Mittelalter keibabuhel genannt - eine unschöne, aber notwendige Einrichtung, wo man "Kaib(e)" - Tierkadaver - eingrub. Daher auch das schwyzerdütsche Schimpfwort "Chaib" – "du Aas!".

Andere Erhebungen waren und sind ganz einfach "die Höhe". In Buchheim liegt eine Höhe (1344: uf der hoch, 1447: uff der höhe) an der Grenze zu Gottenheim. Entfernt davon im Norden erhebt sich das Ackergewann Höchle (1409: an dem hoechlin) inselartig über seine niedere Umgebung. Eine kleine Senke daran ist das Höchleloch. Auf Neuershauser Gemarkung setzt sich das Höchle in der Hinteren Hoh und der Oberen Hoh fort. 1657 heißt es: an der Hoch, neben dem Todtenweg. Dieser Weg ging von Neuershausen nach Umkirch, denn dort durfte – wie Neuershauser Pfarrakten bestätigen - das Dorf auf Grund alter Rechte notfalls seine Verstorbenen begraben lassen.  

Abhänge

Abfallendes Gelände ist im Alemannischen meist eine "Halde" oder ein kürzerer, dafür steilerer "Rain". Wenn beides zusammentrifft wie am Hang des Tunibergs in Gottenheim, wird das "Hahleraifescht" gefeiert. In den Marcher Grundbuchatlanten sind heute keine "Halden" mehr verzeichnet. Für Holzhausen immerhin hat Josef Licht den historischen Beleg an der halden (1327) gefunden, damals kommt auch in Neuershausen die Bezeichnung bi der halden vor.

Gras-Raine zwischen Äckern und Rebstücken gab es vor den Flurbereinigungen natürlich in sehr großer Zahl. Gerade deswegen sind ihre Namen nicht als feste Flurnamen erhalten geblieben. Die Ausnahme ist der Heitzenrain nördlich von Holzhausen, den Josef Licht von einem alten Personennamen Heizo ableitet. Beispiele für "verschwundene" Raine sind in Buchheim der Nünburger (Nimburger) rein und des sigeristen rein (1344). Letzteren durfte offenbar der jeweilige Mesner als Teil seines Gehalts nutzen. In Holzhausen kommt 1489: am hungerrein vor – ein nicht näher bekanntes, aber sicher recht mageres Fleckchen.

In Hugstetten und Neuershausen findet sich ein anderer Name für Hanggelände. Das Gstieg (1344: an dem stige) zieht sich hinauf zum Hügelrücken zwischen Hugstetten und Hochdorf. Wie oft müssen wir auch mit lautlichen Veränderungen rechnen, und so ist mit den Neuershauser Namen am stig (1407) bzw. am Gstüg (1557) entweder das heutige Gestüd oder der Gestüdacker gemeint. Ein Bezug zu letzterem ist wahrscheinlicher, da er im Hügelgelände liegt, das Gestüd aber in der Ebene. 

Geländevertiefungen

Eine "Schlucht" muß kein steiler und tiefer Abgrund sein. Der Name Buochein sluehti (Buchheimer "Schlucht", 1344) bezeichnet die leichte Einsenkung zwischen Kellenberg, Rebstuhl und Buchenbühel. Der Name hat sich dann offenbar verändert zu Licht(acker).

"Täler" gibt es im Marcher Teil des Nimbergs mehrere, wobei einige mit alten Personennamen, wahrscheinlich denen früherer Grundeigentümer, in Beziehung stehen. In Holzhausen kommt 1327 ein heute unbekanntes hilzental vor. Hilt-zo ist vermutlich die Kurzform eines Namens wie z. B. Hilt(e)brant. Andere Beispiele sind das Neuershauser Siegental (1407: Sigendal, von Namen mit Sigo- oder Sigi-) und das Hochdorf-Hugstetter Degental (1481: im Taegendal, mit dem althochdeutschen Namen Thegan = "Krieger, Held"). Im letzteren Falle könnte man sogar darüber spekulieren, ob der Flurname etwas mit den dort gelegenen alemannischen Gräbern zu tun hat. Funde daraus sind sicherlich schon im Mittelalter zum Vorschein gekommen. Verschwunden sind u. a. die beiden Neuershauser Flurnamen schalchstal (1344), gebildet mit dem Wort sc(h)alk (Leibeigener, Knecht), und tüchendal (14. Jahrhundert) vermutlich mit tiuchel ("Deichel", hölzernes Wasserrohr).

Nur entfernt verwandt mit "Tal" sind die Neuershauser Namen Thäle und Thäle beim Stock. Sie kommen von "Döhle, Delle", was auch ihren Landschaftscharakter besser trifft. Ähnlich ist es mit den "Gruben" und "Hohlen, bei denen es sich selten um wirkliche Löcher, sondern um leichte, wenn auch erkennbare Einsenkungen handelt. Buchheim hat eine Grube (1409: ze gruobe) westlich des Höchle sowie eine Vordere und eine Hintere Hohle hinter dem Friedhof. In Neuershausen liegt die Grub beim Außerwald. Auch in Hugstetten findet sich 1317 der Beleg uf der gruobe; heute ist der Name ebenso wenig mehr vertreten wie Phaffen grube ("Pfaffen-", 1407) oder des gnädigen Herrn Grub (18. Jahrhundert) in Neuershausen.  

Fließende Gewässer

Flüsse und Bäche gehören zu den auffallendsten und deshalb früh und dauerhaft benannten Landschaftsmerkmalen. So ist es kein Wunder, daß beispielsweise die Dreisam - 1344: treiseme - einen vorgermanische Namen trägt. Zugrunde liegt ein keltischer Wortstamm tr(e)is-, der ungefähr "schnell fließen" bedeutet.

In den Marchdörfern gab es in früherer Zeit mehr größere und kleinere Bäche als heute. Zum Teil sind ihre Namen nicht mehr bekannt; manchmal haben sie sich geändert. So können wir den herbach ("Herrenbach"?, Hugstetten, um 1450) oder den rottelbach – "Rötelbach"? - (Holzhausen, 1308 und später) nicht mehr genau zuordnen. Bei letzterem, so Josef Licht, handelt es sich vielleicht um den Hofmattenbach.

Der Name des Schobbachs in Holzhausen - 1327: scapach, später Schapach, Schachbach und schließlich Schoppach – ist noch ungeklärt; der Flurnamen-Experte Roos hält z. B. eine Entstehung aus Schat- ("Schatten-")Bach für möglich. Vom Schobbach zweigte der Holzhauser Mühlenbach ab, der die ehemals außerhalb des Dorfes gelegene Mühle versorgte und schon 1327 erwähnt wird. Der Holzhauser Dorfbach, nach dem Gasthaus "zum Löwen (Leuen)" auch Laienbächle genannt, erscheint auf dem Gemarkungsplan von 1774 noch als ansehnliches Gewässer, das rechts der Vörstetter Straße eine Art Teich bildete.

Ein Bach, der im Freiburger Mooswald entspringt, berührt die südlich / westlich gelegenen Marchorte. Er heißt in Hochdorf Hanfreetzenbach, in Hugstetten Mühlenbach, in Buchheim (heute) Johannisbach –nach der Johann Nepomuk-Brückenstatue? -, in Neuershausen wieder Mühlenbach. Als Herrenmühlbach fließt er bei Eichstetten schließlich in die Alte Dreisam. In Quellen des 14. bis 16. Jahrhunderts hat dieser kräftige Wasserlauf einen anderen Namen: Die Liwi oder Libi. Woher dieser kommt und was er bedeutet, kann selbst Roos nicht erklären. Vom Mühlenbach zweigt in Hugstetten das Engelbächle ab (der ursprüngliche alte Name ist unbekannt); es mündet bei Buchheim in die Dreisam. Dort heißt es Stegenbach nach dem südlich daran liegenden Gewann Stegen (zu dieser Erklärung kommen wir später).

Schwärzenbach (1327: im Swerzbach) heißt ein Ackergewann, an dem Neuershausen und Bottingen Anteil haben. Das namengebende Bächlein hatte entweder wirklich dunkles Wasser oder floss im Schatten, so daß es diesen Anschein hatte.  

Quellen

Eines der mittelhochdeutschen Wörter für Quelle ist ursprunc. Wenn es 1417 in einer Buchheimer Urkunde heißt in der wogmatten uff dem ursprunge, dann hat diese Quelle gleichzeitig einer Wiese den Namen gegeben, denn wog oder wag bedeutet "(fließendes) Wasser". Die Bezeichnung ursprünge des baches kommt 1450 auch in Hugstetten vor; möglicherweise ist in beiden Fällen dasselbe gemeint. Heute sind der Name und Örtlichkeit verschollen.

Üblicherweise wurden Quellen "Brunnen" genannt, und damit sind bei uns mehrere Flurnamen gebildet. In Hugstetten liegt südlich der Hochdorfer Straße der Moosbrunnen ("Quelle im Sumpfwald"). Vor dem Brunnen (1371: uf den brunnen, 1450: by dem brunnen) heißt ein Ackerstück am "Holzhauser" Weg (auch: "Pfaffenkinzig") hinauf zum "Roten Stein".

Neuershausen besitzt gleich zwei Gewanne namens Brunnacker. Das größere liegt vor dem Mooswald und war im Mittelalter ein Teil der gemeinsamen March-Allmend der sechs Dörfer. Vielleicht hat ein noch 1567 dort bezeugtes Marckh-Brünnelin daher seinen Namen.

Ein zweiter Brunnacker liegt auf dem Nimberg an der nördlichen Gemarkungsgrenze von Neuershausen. Hier könnte es eine Verbindung geben zu dem nahe gelegenen Nimburger Gewann Glattbrunnen (1407: in dem glatbrunen), das so viel wie "reine, glänzende Quelle" bedeutet. Der Ort eines 1344 in Neuershausen erwähnten Ruedigers brunnen ist unbekannt.

Mit dem Hölgenbrunnen (Holzhausen, Neuershausen, Bottingen) hat es eine offenbar besondere, wenn auch noch nicht erforschte Bewandtnis. 1568 heißt es im hailgen Bronnen. Etwas südlich liegt der Platz des verschwundenen Ortes Buchsweiler, wo ebenfalls ein "heiliger Brunnen" erwähnt wird (1341: ze dem heiligen brunnen ze Buhswil). Handelte es sich um dieselbe Quelle? Und wie ist der Name zu deuten? Es gibt im Breisgau – wie überall in Europa – viele "heilige Brunnen", die angeblich in vorchristliche römische oder sogar keltische Zeit zurückreichen. Möglich ist aber auch, daß der Brunnen einfach nur der Buchsweiler Kirche – oder, wie man früher sagte, ihrem "Heiligen" (St. Adelphus) – gehörte.  

Stehende Gewässer

Die bei uns traditionelle Bezeichnung für ein stehendes Gewässer mittlerer Größe ist "Weiher"; im Schriftdeutschen hat sich - wie so oft - der mittel- und norddeutsche Begriff "Teich" eingebürgert. Wenn in alten Quellen ein "Weiher" vorkommt, ist die erste Möglichkeit ein wirklicher Weiher im Dorf oder außerhalb. Wenn also im 14. Jahrhundert in Neuershausen ein Grundstück hinder dem wier lag, handelte es sich sicher um einen Dorfteich, den Mühlenteich oder einen der beiden damaligen Burgweiher (auch der Rincksche Statzenturm war ein "Weiherschloß"). Ebenfalls hierher gehört der 1590 in Holzhausen belegte Genßweiher (Gänseweiher).

Oft wurde "Weiher" aber übertragen auf ein Gewann, in dem bei Regen oder Überschwemmung oft Wasser stehen blieb. In Holzhausen etwa wird 1327 ein Ackerstück erwähnt, das in dem wier liegt. Auch der Name Weihermatten (Hugstetten) könnte so zustande gekommen sein. Es ist allerdings möglich, daß dieses Wiesengewann an einem Weiher oder einem stillgelegten Seitenarm des alten Dreisamlaufs lag. Westlich davon liegen die Wogmatten, bei denen der erste Wortbestandteil das alt-alemannische "Wog" oder "Wag" (stehendes oder fließendes Wasser) ist.

"See" wird heutzutage nur für größere Wasserflächen gebraucht. Früher umfasste das Wort aber Gewässer aller Größen, eingeschlossen kleine Tümpel. So mag es sich bei der 1450 für Buchheim überlieferten Lagebezeichnung "Egelsee" (uff dem dicken grien by dem Egelsewe) um ein abgetrenntes, von Blutegeln bevölkertes Altwasser der Dreisam gehandelt haben, denn das "Dickengrien" (dazu weiter unten) ist ein Uferbezirk.

Wie "Weiher" gab es auch "See" im übertragenen Sinne von " zeitweise stehendes Wasser". So werden die Holzhauser Gewanne Äußerer, Mittlerer, und Oberer See sowie Hintersee und Langsee um 1327 alle zusammen in dem sewe genannt. Hierher gehört auch der Seeacker in Neuershausen. Die leichte Hanglage dieser Ackergewanne lässt vermuten, daß sich Wasser unterhalb von ihnen sammelte. Insofern wären sie verwandt mit dem Holzhauser Seygeler an der Straße nach Bottingen (1423: der seigeler, lit nebent der hofmatten). Eine "Seige" ist eine Bodensenke, in der sich Wasser sammelt.

Die Holzhauser Bitz ist heute ein Wohngebiet gleich östlich am alten Dorfkern. 1423 heißt diese Gegend in der bicz hinden an dem dorf; bis 1960 waren es Wiesen. Am wahrscheinlichsten ist ein Zusammenhang mit "Pfütze, Feuchtgebiet, Viehtränke", den auch Josef Licht befürwortet.

Meist sind auch "Lache" und "Gülle" Hinweise auf stehendes Wasser, obwohl sich andere Deutungen nicht ausschließen lassen. So können der Hugstetter Lachenacker (um 1450: acker ... zu der lachen) wie auch uf der nuwen lachen (Neuershausen, 1344) sowohl von Wasserlache als auch von "Laache" (Grenzzeichen, Grenze) abgeleitet sein. "Gülle" im Sinne von "Pfütze" und noch nicht auf "Jauche" eingeengt kommt 1433 in Buchheim vor (in den gillen) und 1344 in Neuershausen (uf die gilla). In Hugstetten hat sich Güllen(acker) erhalten (um 1450: die gillen). 

Land am Wasser und sumpfiger Boden

Bezeichnungen für unterschiedlich beschaffenes Ufergelände finden sich in March vielfach. Eine "Au" (mittelhochdeutsch: ouwe) kann eine Gegend am Wasser sein, manchmal eine Insel. Der Name kann aber auch einen Wasserlauf selbst bezeichnen.

Ersteres ist der Fall bei dem 1344 für Buchheim überlieferten in der ouwe, stost uf die treisemun (Dreisam); hier geht es ganz klar um Ufergelände. Die Neuershauser Au ist ein Wiesengelände östlich des Außerwalds an der Buchheimer Grenze.

Hingegen ist beim Buchheimer Flurnamen Schnellau (1517: Schnelow) fraglich, ob er nicht von einem ehemals dort (schnell) fließenden Bach abgeleitet ist. Und ganz deutlich wird dies in dem Hugstetter Schriftbeleg von 1349: das wasser ... dem man giht [das man nennt] dü owe.

Sehr oft kommt das Wort "Grien" in unseren Flurnamen vor, das heute fast immer irreführend in "Grün" verändert worden ist. "Grien" bedeutet "Kies-" oder "Sandbank" an einem Fluss oder Bach. Am alten Lauf der Dreisam gab es davon viele. Neuershausen hat das Grünle (1407: im Grien) nördlich des Außerwaldes. In Buchheim kannte man um 1344: der freider grien, anscheinend gebildet mit einem Personen- / Familiennamen. Es lässt sich nicht ermitteln ob die heutigen Flurnamen Obergrün (Buchheim) und Untergrün (Hugstetten) damit zu tun haben. Das oben schon angesprochene Buchheimer Dickengrün (1344: uf dem dicken grien) erhielt seinen Namen vermutlich deshalb, weil es "dick" oder dicht verwachsen war.

In Hugstetten hat das Ried, das sich in Hochdorf mit der "Riedmatte" fortsetzt, ganz sicher die Bedeutung "Sumpf". Der Riedacker wäre dann einfach der Acker oberhalb des Riedes. In anderen Namen ist der Bestandteil "Ried-" zweifelhaft, weil er auch von "Reute" bzw. mundartlich "Ritti" (Rodung) abgeleitet sein kann. So bleibt fraglich, ob die Holzhauser Oberen und Unteren Riedmatten auf eine 1327 genannte rietmatte (Sumpfwiese) oder auf eine rütematte (gerodete Wiese) zurückgehen. Dieselbe Frage stellt sich beim Bosenrieth, wo sich mit dem Personenamen "Boso" beides verbinden könnte. Schließlich und endlich führt Josef Licht auch den Holzhauser Morten- oder Mörtenacker auf ein germanisches Wort für "Sumpf" zurück.

Wenn ein Wald tiefen, feuchten Boden hat, heißt er "Moos". Diesen Namen hat nicht nur der große Wald zwischen Hochdorf und Freiburg erhalten – der Marchwald ist ein Teil davon –, sondern auch der Neuershauser Mooswald (1407:ze niderm Mose) der ja heute noch ein ziemlich feuchter Auwald ist. In Holzhausen liegt das Mösle (1327 zem mose) im Norden zwischen Bosenrieth und Schleifstein 

Der Wald und andere Wörter dafür

Damit sind wir schon bei den Namen für "Wald". Das wohl ursprüngliche Wort dafür stimmte überein mit dem für das Material, aus dem er letztlich bestand - "Holz". Im Englischen verhält es sich ja mit "wood" ebenso.

In Buchheim finden wir die Flurnamen Achselhölzle und Lungholz, wobei in beiden Fällen das "Bedeutungswort" – der erste Bestandteil – unklar bleibt. Ein Zusammenhang von "Achsel-" mit dem 1344 für Buchheim überlieferten agschar oder axschar (Schneide einer Axt) ist sprach- und bedeutungsgeschichtlich sicher fragwürdig. In Neuershausen gibt es das Große und das Kleine Bahnholz (1344: vor baneholz), jeweils weiter aufgeteilt in ein "Oberes" und ein "Unteres". Das Bestimmungswort hat nichts mit "Bahn" im Sinne von "Weg" zu tun, sondern kommt von "bannen = sperren, verbieten". Das "Bannholz" war also ein von regelmäßiger Nutzung ausgenommener Wald, zu dem der Zugang gesperrt war.

Dagegen scheinen Flurnamen mit "-wald" jüngeren Datums zu sein; sie sind meist auch einfacher zu erklären – wie etwa der Holzhauser Hofmattenwald östlich vom Gewann Hofmatten oder der Oberwald als "oberer = südlicher" Wald am Schopbach. Josef Licht nennt noch das "Kaibewäldili" am Dorf, wo – wie am schon erwähnten Kaibebühl – früher Tierkadaver "verlochert" wurden.

In Neuershausen hieß das Waldgewann Außerwald im Südwesten der Gemarkung früher "Dorner" (1478: in dem torner), es war also ein dichter, dorniger Wald. In Richtung auf das Dorf zu gab es einen "Innerwald", der aber spätestens im 18. Jahrhundert gerodet wurde und zur Innerwaldmatt wurde. Ebenfalls verschwunden, aber noch als Flurnamen erhalten sind das Obere und das Untere Wäldele südlich der Viehweid.

"Schachen" nannte man einzelne Waldstücke, zum Beispiel solche, die hin und wieder zum gemeindlichen Holzfällen freigegeben wurden. Der Buchheimer Krittschachen liegt vor dem Gewann Kritt (siehe unten); er ist eigentlich der" Gereut-Schachen". Der Allmendschachen an der Dreisam Richtung Lehen ist der Wald, der den Hugstetter Einwohnern ("allen Mannen") gemeinsam gehörte. In Neuershausen gab es den Oberen und den Unteren Schachen auf bzw. nahe dem jetzigen Fabrikgelände.

Mit "Stauden" ist eigentlich kein Wald gemeint, sondern Unterholz und Gebüsch. Die Buchheimer Münzstauden und die anschließende Neuershauser Münstud hießen noch im 18. Jahrhundert "Münchstud", sie waren also im Besitz eines Mönchsklosters (gewesen). In Holzhausen kennen wir die Gewanne Untere Stauden und Vor den Stauden im nördlichen Wald- und Wiesenland. Im Mittelalter gab es zahlreiche "Stauden", die heute nicht mehr bekannt sind und oft nach ihren Besitzern benannt wurden - in Holzhausen z. B. des Gängelers stude (1327), des lsenharts und Colmans stude (1423), des dorffs [d.h.: der Gemeinde] studen (1489).

Beim Buchheimer Kallo, der 1344 offenbar ze Cuonen lo hieß, verband sich das Wort "Loh = (lichter) Wald" mit einem Personennamen "Cuono", der wiederum eine Kurzform von "Cuonrad" war. Davon und wie dieser Name vielleicht mit den Herren "von Buchheim" zusammenhängen könnte, war im Beitrag über Straßennamen schon die Rede. Ebenfalls in Buchheim hat sich in der Oberen und Unteren Reis das mittelhochdeutsche Wort für "Reisig, Gesträuch, Gehölz" erhalten.  

Gerodeter Wald

Es ist sicher schon deutlich genug geworden, wie sehr die menschliche – landwirtschaftliche – Tätigkeit schon sehr früh den Wald zurückgedrängt hat. Spätestens zum Sesshaftwerden der Alemannen im 5. Jahrhundert – aber auch schon zur Anlage von römischen Villen vorher – gehörte die Rodung von Wald für Siedlungen, Felder und Wiesen. Kein Wunder, daß viele Flurnamen mit "Reut(e)" oder "Gereut" (mittelhochdeutsch: geriute) gebildet sind oder auch mit den mundartlichen Formen "G'ritt" oder "Kritt".

Solche Namen gibt es in fast allen unseren Ortsteilen. Westlich von Buchheim bildet das Gewann Kritt eine ziemlich große Rodungsfläche; hierher gehört vielleicht das 1344 erwähnte kramers gerüt. Das Neuershauser Kritt ist nur eine kleine, wohl erst spät angelegte Rodung nördlich des Außerwalds links der Bötzinger Straße. In Hugstetten gibt es das Krummiskritt, das "krumme", unregelmäßige "Gereut".

Ebenfalls in Hugstetten findet sich der bedeutungsgleiche Name Hau für ein Waldstück an der Umkircher Grenze. Die Bezeichnung ist deshalb interessant, weil auch die alte Hugstetter Ortsnamenform Hustat mit "hauen" in Verbindung gebracht wird – eine "(Wohn-)Stätte im Hau", in der Rodung?

Es gibt noch weitere Rodungsnamen. Im Buchheimer Sangen (1344: sango) steckt das mittelhochdeutsche sengen (brennen) und sanc (Brand). In diese Richtung geht auch der von Josef Licht gefundene mittelalterliche Name "Brand" (1423: die brende) in Holzhausen. An der Holzhauser Grenze gegen Vörstetten sind mündlich "Schwa" und "Schwamatten" (1489: im Swan) überliefert, deren Name sich vom mittelhochdeutschen swenden (roden) bzw. swant (Rodungsstelle) ableitet. Auch das Neuershauser Gewann Stock (Baumstumpf) auf dem Nimberg bzw. Kolben dürfte auf Rodungstätigkeit hinweisen.

Und schließlich haben wir die mittels Rodung "neu", manchmal erst im letzten oder vorletzten Jahrhundert erschlossenen Gemarkungsteile – so etwa je ein Neufeld in Holzhausen (ehemals Teil der Allmend im Südosten) und in Buchheim (vorgelagert dem Krittschachen-Wald) sowie die Holzhauser Rodungsinsel Neumatten innerhalb des Oberwalds an der Straße nach Reute.  

Äcker

Mit der voriges Mal mit behandelten Waldrodung sind wir bereits auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Nutzung angelangt, auf die sich in March - wie überall sonst auch – wahrscheinlich die meisten Flurnamen beziehen.

Hier dominieren verständlicherweise die mit dem Grundwort "-acker" gebildeten Namen. Um den Beitrag nicht allzu sehr aufzublähen, lassen wir leicht verständliche Namen wie "Großacker" oder "Langacker" weg. Bei anderen "-acker"-Namen sind die Bedeutungswörter interessanter oder aussagekräftiger als das Grundwort; sie werden an entsprechender Stelle behandelt.

Oft hat man die Äcker einfach nach ihrer Lage benannt; das ist etwa bei den Neuershauser Gewannen Bachacker – beim Mühlbach – und Bühlacker (schon 1341: an dem buhel acker) am Anstieg zum "Bühl" (Hügel) der Fall. In Holzhausen wurde der Hohlenacker vielleicht nach seiner Lage oberhalb der eingeschnittenen Buchheimer Straße – einer "Hohle" – so genannt; vielleicht liegt aber auch eine Veränderung des 1308 bezeugten hohen acker vor.

Häufig finden sich im Namen Hinweise auf die Bodenbeschaffenheit und landwirtschaftliche Eignung des betreffenden Gewanns. In Buchheim ist der Mattacker unterhalb des Friedhofs vielleicht so benannt worden, weil es sich dort an der Grenze zur Niederung um ehemaliges Wiesenland handelte, das leicht wieder vergraste. In eine ähnliche Richtung deutet in Holzhausen der Grasacker an der Straße nach Benzhausen.

Ebenfalls in Holzhausen könnte der Saueracker am Hang nördlich des Dorfes nach saurem Boden benannt sein; Josef Licht schlägt aber alternativ auch einen Zusammenhang mit dem mittelhochdeutschen sür (Riedgras, Sumpfgras) vor.

In Hugstetten spricht der Steinacker – heute ein Teil des Neubaugebiets - deutlich von den ehemaligen Mühen seiner Bearbeitung. Manchmal ist die Erwähnung von außergewöhnlich steinigem Gelände übrigens ein Hinweis auf römische Mauerreste. Auch in Holzhausen ist 1341 ein heute unbekannter Steinacker erwähnt.

Neuershausen wiederum hat seinen Felsenacker auf dem höheren Teil der Gemarkung. Und hier gibt es - an der Buchheimer Grenze, westlich des Gewanns Hoh – auch einen offenbar unsympathischen Jammeracker. Das Feld hatte entweder einen so geringen Ertrag oder kostete so grossem Arbeitsaufwand, daß es eben ein Jammer war. Wer nun glaubt, auf dem Hugstetter Lach(en)acker sei das Pflügen die reine Freude gewesen, irrt sich. Der Name lautet um 1450 zu der lachen; hier gab es sicherlich große Probleme mit der Feuchtigkeit.

Noch keine vernünftige geschichtliche Deutungsmöglichkeit gibt es bisher für die Hugstetter Namen Ergelacker, Linsenacker und Seilacker. Nur von letzterem ist eine Altform bekannt (um 1450: der seylde acker). Mit viel gutem Willen ließe sich hier vielleicht ein manchmal verwendeter alter Name des Klosters Sölden ("Seylden") herauslesen; aber von diesem alten Nonnenkloster ist in Hugstetten urkundlich kein Besitz bekannt.

Außer "Äckern" gab es noch andere Arten von Feld. "Egärten" oder "Egerten" waren Stücke mit schlechtem Boden, die – ähnlich wie die "Reutfelder" im Schwarzwald –immer wieder für längere Zeit brach gelassen wurden, damit sie sich erholten. Vor dem Hugstetter Allmendwald, im heutigen Gewerbegebiet lagen die Oberen und Unteren Kurzegarten; auch in Neuershausen waren 1407 noch egerdan in der Nähe des Dorfes bekannt. Eine ähnliche Bedeutung lag dem Neuershauser Flurnamen Wüstle (wüst, unbebaut) am Rebbergaufstieg, gegenüber dem Bürgle zugrunde.

Eine "Bünde" war in der Regel ein Stück guten Bodens, das von den umliegenden Äckern durch einen geflochtenen – "gebundenen" – Zaun abgegrenzt war. Es unterlag in der Mehrfelderwirtschaft nicht dem Fruchtwechsel mit Brache, sondern stand, ähnlich wie ein Garten, in Sondernutzung (Gemüse, Hülsenfrüchte, manchmal Hanf). Solche Stücke finden wir ausschließlich im Mittelalter: in Neuershausen 1344 eine gebunde beim Hofacker; in Holzhausen heißt es 1327 vor dem hofe in der bunde, also wohl beim dortigen Hofacker.  

Wiesen

Für die mit "-matte" gebildeten Flurnamen – "Wiese" kommt in älteren Quellen so gut wie gar nicht vor – gilt all das auch, was bei den "-acker"-Namen eingangs gesagt wurde. Auch von ihnen wollen wir wegen ihrer großen Zahl hier nur einige vorstellen.

Interessant sind beispielsweise die Buchheimer Michelsmatten (1344: uf michelen mattan) nördlich der Gottenheimer Straße und die Neuershauser Michelmatt (erwähnt 1407) links der Dreisam gegen Eichstetten. In beiden Fällen dürfte das Bestimmungswort von althochdeutsch mihhil, mittelhochdeutsch michel ("groß") herkommen. Dass es, wie gelegentlich vermutet, "St. Michaels-Matten", also Grundstücke waren, die zu einer verschwundenen oder umbenannten alten Michaels-Kirche gehörten, ist zweifelhaft.

In Holzhausen sind die Löhlmatten abgeleitet von dem neulich erwähnten mittelhochdeutschen Wort "Loh" oder loehelin (lichter Wald, Wäldchen). 1327 heißt es: dü lohermatte lit [liegt] hinder dem holze dem man sprichet [das man nennt] du pflugweide. Die Neuershauser Lohmatt nördlich des Dorfes ist ebenfalls darauf zurückzuführen.

Eine Matte, die sich nicht ordentlich pflegen ließ und deshalb nur wenig Futter ergab, war eine Wüstmatte, wie sie in Holzhausen zwischen Seygeler und Hofmatten liegt. Derart wüst – stark verunkrautet – waren wohl auch die in Neuershauser Quellen vorkommende, heute unbekannte "Distelmatt" (1306: ze tisteliger matte) und die "Dornsmatt" (so 1543). Vielleicht waren beide Namen für ein und dasselbe Wiesenstück gebräuchlich.

Mit dem bei uns gängigen Wort für "feuchtes Land, Sumpf" hängen die Oberen und Unteren Möslimatten in Neuershausen zusammen, wobei der Name durchaus vom nahe gelegenen Moos(wald) abgefärbt haben kann. Ebenso ist der Name der Hugstetter Moosmatten gebildet (1450: in der moße matten).

Direkt westlich anschließend liegen die – demnächst bebauten - Hugstetter Neumatten. Um 1450 heißt es: die nuwe matten by dem keppelin ... . Damit wird auf die Dreifaltigkeitskapelle angespielt, die noch im 18. Jahrhundert bei den Neumatten - am Platz des heutigen Gasthauses zum Roten Kreuz – stand und dann zur Mühle ("Teuffels Küche") hin versetzt wurde.

Auch bei den "Matten" gibt es einige noch nicht geklärte Namen. Für die Buchheimer Achselmatte an der Eisenbahn gilt das in unserer letzten Folge beim Achselhölzle Bemerkte. Buchheim und Hugstetten haben jeweils Hirschlismatten an weit auseinanderliegenden Plätzen. Ob sie mit männlichem Rotwild oder mit einem Personennamen zusammenhängen, bleibt vorerst fraglich.

In Holzhausen liegt das Scharrmättle in der Nähe vom Oberen und Unteren Scharracker gegen Benzhausen hin. 1327 wird eine Holzhauser Feldgegend als ze schorren bezeichnet; 1423 kommt die schormatten vor. Josef Licht erklärt den Namen mit einem mittelhochdeutschen Wort schar für "Schnitt, Ernte" und dem alemannischen "schoore" für Grasschwaden, wie sie beim Mähen mit der Sense auf den Boden fallen. Die Erklärung leuchtet bedeutungsmäßig ein, allerdings ist der o–Laut in "schoore" lang, in den alten Formen dagegen sicher kurz. So bleibt eine kleine Ungewissheit.

Die in Hugstetten an der Straße nach Umkirch liegende Leiermatte – eine wirklich alte Form habe ich dafür nicht gefunden – könnte eine Umdeutung des alemannischen "le(h)", "lai" (kleiner Buckel oder Grabhügel) enthalten. Anders als im Lehefeld im jetzigen Zentralgebiet sind hier allerdings keine Grabhügel bekannt.

Und schließlich ist auch der Name der Neuershauser Kegelriesmatten (1543: an dem Kugelryß), die zwischen dem Dorf und dem Mooswald liegen, bisher nicht stimmig zu deuten.  

Form und Besonderheiten eines Flurstücks

Im Mittelalter hat man zur Kennzeichnung eines Flurstücks oft bildhafte Namen für seine Gestalt gebraucht. So ist etwa der in Buchheim wie auch in Neuershausen vorhandene Name Blachen (1344: zer blachun) - ersteres Gewann im Neubaugebiet, letzteres am Fuß des Rebbergs -, abgeleitet von einem alten Wort für "Leintuch" oder "Plane" und bezeichnet eine ebene Bodenfläche. Solch flaches Gelände wurde alemannisch auch als "Schiibe" bezeichnet. In Neuershausen ist 1344 von einer schibelmatt die Rede, inHugstetten 1450. Daß der Name sich – wie beim Scheibenbuckvom Fasnacht-Scheibenschlagen ableitet, ist weniger wahrscheinlich.

Sicher haben viele im 14. / 15. Jahrhundert noch auffällige Geländeformen sich verändert. In Neuershausen – wo 1341 auch der Name bi dem krummen stucke vorkommt – liegt eine Krummatt, die heute gewiss nichts Krummes mehr an sich hat, in Richtung Mooswald. Beim Buchheimer Oberen und Unteren Krummacker könnte sich der Name eher auf eine gewölbte Oberfläche bezogen haben. Dagegen bildet der Trogacker beim Degental in Hugstetten wie der Name besagt eine flache Delle.

Die schon 1423 erwähnte Holzhauser Spitzmatt hat deutlich die Form eines spitzen Dreiecks. Diese Form, die im Mittelalter anscheinend häufiger vorkam, wurde gelegentlich als "Ger", nach einem germanischen Wort für "Speer(spitze)" bezeichnet. In Neuershausen gab es – heute unbekannt – die Gewanne der Zeringerinnen geren (1341) oder einfach uf dem Geren (15. Jahrhundert). Letzteres lag anscheinend dort, wo heute die Retzgrabenstraße von der Buchheimer Straße abzweigt.

Der Stelzenacker (1407: am steltzeten acker) in Neuershausen östlich des Nimburger Weges hat seinen Namen erhalten, weil er eine oder mehrere "Stelzen", d. h. schmale Vorsprünge im angrenzenden Gewann bildete. Andererseits spielt der Name Feldwinkel für ein Wäldchen in Holzhausen, Richtung Bottingen sicher nicht auf eine winkelartige Form an, sondern betont eher die etwas abseitige Lage.

Ob die Hugstetter Rotmatte wie auch die am Dreisamkanal gegenüber liegende Schwarzmatte ihre Namen von der Bodenfarbe oder irgendeinem anderen Unterscheidungsmerkmal – etwa Personen- bzw. Besitzernamen - erhalten haben, bleibt vorerst unbekannt.

Zum Schluss – für heute – noch zwei "ausgestorbene", aber bezeichnende Namen aus dem 14. Jahrhundert. Das gebräuchliche Flächenmaß bei uns war damals die "Juchert" oder "Jauchert", abgeleitet von "Joch". Eine Jauchert war ursprünglich so viel Feld, wie man mit einem "Joch" – d. h. zwei – Ochsen und einem einfachen Hakenpflug an einem Tag pflügen konnte. Später legte man sich bei der "Jauchert" auf einen "Morgen" (ca. 36 Ar) fest. Auch dieses Maß hat in der March Spuren hinterlassen. In Hugstetten wird ein Feld 1317 dü ufgendü iuchert (d. h. die bergauf ansteigende Juchert) genannt; in Holzhausen nannte man einen Acker 1327 einfach die zweinzig iuchert.  

Manche unserer älteren Flurnamen enthalten Hinweise auf Anlagen zur Be- und Entwässerung von Nutzland, vor allem von Wiesen. Dies spielte schon in der mittelalterlichen Landwirtschaft eine große Rolle. So kommt im Neuershauser Wiesenland zwischen Dorf u. Mooswald 1344 Schühelis graben vor, der sicher den Namen des Besitzers enthält. 1721 heißt es: im Schüchlingsgraben, anietzo [jetzt] Riegelgraben und weist auf einen Abzugs- oder Wässerungsgraben mit Stellfalle ("Riegel") hin.

Eine 1337 ebenfalls in Neuershausen erwähnte begrabene matt - Lage heute unbekannt - war eine besonders intensiv mit Gräben durchzogene oder davon umgebene Wiese. Ähnlich verhielt es sich mit der Holzhauser grabmatt (1341, 1423: graben matt. Auch hier kennen wir die Lage nicht. Dagegen hat sich in Hugstetten hinter dem Friedhof der Gräbleacker erhalten; es ist leicht ersichtlich, daß hier Abzugsgräben in den Mühlbach verliefen.

"Riesen" waren der Bewässerung oder dem Ablauf dienende künstliche Wasserrinnen, die besonders im Hügelgelände vorkamen. In Neuershausen gab es eine Stelle, die 1344 zen risan genannt wurde, 1543: Rusen und 1657: Rissen.  

Als Viehweide diente oft ein ehemaliger Wald; er gehörte zur dörflichen "Allmend", also zu jenem Gemarkungsteil, der Eigentum "aller Mannen", d. h. aller Dorfbewohner war. Die aus allen Höfen zusammengetriebene Herde und das Amt des Hirten erhielten sich bis ins 19., manchmal auch bis ins 20. Jahrhundert.

Die Holzhauser Pflugswaide – schon 1327: holz dem man sprichet dü pflugweide – wurde vielleicht hin und wieder für den Ackerbau umgebrochen; gut gedüngt war sie ja. Josef Licht erwähnt für Holzhausen auch eine "Jüchtwaid" in der Nähe des Gewanns Erb, deren Namen er auf althochdeutsch uohta – "(Morgen)dämmerung" – zurückführt; demnach handelte es sich um eine Nachtweide für Zugvieh, das tagsüber arbeiten musste.

In Buchheim lagen die Waidmatten – Wiesen, die zeitweilig beweidet wurden - beim Galgenacker am Stegenbach. In Hugstetten kennen wir mehrere Namen, die auf Weideland verweisen - alle im Süden, in der Nähe der Waldallmend: Benachbart sind die Hutmatten (von "hüten") und die Weidmatt an der Straße nach Freiburg; dazu gehören wohl auch die Stierläger im Gewerbegebiet.

In Neuershausen gibt es die Große und die Kleine Viehweid (1407: viheweid), westlich des Mooswaldes sowie die Obere und Untere Herdmatt (1407: hertmatt, von Hirt oder Herde) rechts der Dreisam, Richtung Eichstetten.  

Von den landwirtschaftlichen Sonderkulturen in der March haben der Hanf- und der Weinbau Spuren in Flurnamen hinterlassen; der Tabakanbau war zu neuzeitlich, um solche Traditionen zu bilden.

In Buchheim und Holzhausen gibt es das Gewann Rebstuhl; schon bei den Straßennamen wurde angemerkt, daß dies nicht der alte Name ist. 1344 heißt es raebstal, wobei kein "Tal" gemeint ist, sondern das mittelhochdeutsche stal "Standort, Stelle". Es war also ein "Platz, auf dem Reben wuchsen". Möglicherweise hat man den Namen bereits im Mittelalter umgedeutet, denn die heutige Form bewahrt noch das alte Wort stuol "(Richter-)Stuhl" für einen Hügel. Daß dort oben Gerichte oder ähnliche Versammlungen stattgefunden hätten, ist aber nicht bekannt.

In Holzhausen weisen die Gewanne Berglereben (im Hofacker) und Oberpfadreben auf ehemaligen Weinbau hin; es handelt sich aber um neuere Benennungen. das trifft natürlich auch für Vor den neuen Reben unterhalb vom Bürgle und Wüstle in Neuershausen zu. Von 1344 stammt hier die nicht mehr lokalisierbare Bezeichnung ze wingarten.

Bezüge auf den vor 1850 weit verbreiteten und recht lukrativen Hanfanbau gibt es in fast allen Orten durch die mit "Retze" gebildeten Flurnamen. Das Wort kommt vom mittelhochdeutschen roezen ("faulen lassen"). Rötzen oder Retzen waren flache Teiche oder Gräben, in denen der Hanf nach der Ernte eine Zeit lang gewässert werden mußte, damit sich durch Fäulnis die holzigen Teile der Stengel von den Fasern lösten. Oft gab es in den Dörfern mehrere Hanfretzen, wobei wir feststellen können, daß diese ungesunden Anlagen im Laufe der Zeit in entferntere Gegenden der Gemarkung "abwanderten".

In Buchheim liegen der Obere und der Untere Retzgraben (1344: uf dem roetze graben) direkt westlich am Dorf oberhalb vom Johannisbach. Dort gab es verschiedenen Funden zufolge frühe alemannische Besiedlung. Im 19. Jahrhundert lagen die Buchheimer Hanfretzen allerdings weit ab an der Gottenheimer Straße im Neufeld.

In Neuershausen lag der ursprüngliche Retzgraben (1407: uf dem roezgraben) am östlichen Dorfausgang, wo noch ein Straßenname auf ihn hinweist. Die später benutzte Hanfretze lag aber am Mühlbach auf dem heutigen Schwenk-Gelände am westlichen Dorfausgang. In Holzhausen lag eine ehemalige Hanfretze, später Kiesgrube, am Sportplatz, in Hugstetten muß es ganz früher einmal eine zwischen Allmendschachen und Dreisam gegeben haben.  

Auf Gärten bringen die alten Quellen sehr viele Hinweise. Allerdings handelt es sich meist um einfache Hausgärten mit dem Namen eines aktuellen oder ehemaligen Besitzers. Nur einige Gärten sind zu wirklichen Flurnamen geworden. In Buchheim ist das Engelgärtle, früher außerhalb des Dorfes, sicherlich ein neuerer Name, gebildet nach dem hier fließenden "Engelbächle". In Holzhausen weist Hinter den Gärten auf das Gartenland am alten südlichen Dorfrand hin. In Neuershausen kommen an alten, heute unbekannten Namen vor: bongarte ("Baumgarten", 1344), "Frauengarten" (18. Jahrhundert, ältere Bezeichnung für den nördlichen Teil des Hofackers).

Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem 1430 erscheinenden und bis ins 18. Jahrhundert überlieferten Neuershauser he(i)mgarten, der sich ungefähr jenseits von Hinterdorfstraße und Haelmenwinkel lokalisieren lässt. Hier spielt vermutlich eine sehr alte Bedeutung von "Gart(en)" eine Rolle. Das althochdeutsche gart(o) kann nämlich außer dem umzäunten Grundstück auch den Zaun selbst meinen. Wenn wir zusätzlich erwägen, daß das altgermanische "Heim" – wie im Ortsnamen Buchheim - auch die Siedlung bezeichnen kann, dann ließe sich "Heimgarten" ungefähr als "(Platz bei der) Dorfeinfriedung" wiedergeben. Und dieser Name würde vielleicht noch bis hinter die Ersterwähnungszeit Neuershausens um 789 zurückreichen.  

Hinweise auf Haus und Gehöft des einfachen Bauern sind eher selten, im Gegensatz etwa zu herrschaftlichen Anwesen. In Buchheim etwa ist ein 1344 erwähntes hinder dem hof (Herrenhof) offenbar umgedeutet worden zu "hinter den Bauernhöfen", daher Hinterhöfen. Ebenfalls in Buchheim deutet das in Dorfnähe – heute Zentralgebiet - liegende Gewann Scheuermatten (1344: an der schürmattun) auf eine damals in der Nähe befindliche Scheune hin.  

Die ältesten und lange Zeit einzigen größeren Gewerbeanlagen in den Dörfern waren die Mühlen samt Nebenbetrieben (Hanfstampfen oder "Pleueln", gelegentlich Hammerschmieden, im 19. Jahrhundert wassergetriebene Dreschen usw.). u.

Daran erinnern die Mühlmatten bei den jeweiligen Mühlen in Holzhausen (1327: dü mülimatten, da gat dran hin der Mulibach) und Neuershausen (1432: die mülmatten, da die müle uf stat). Letztere befindet sich bei der ehemaligen Mühle, aus der später "Streckfuß", dann Eternit wurde. Westlich davon liegt der 1407 erwähnte Mühlacker. Oberhalb der ehemaligen Hugstetter Mühle - "Teuffels Küche" – erhebt sich der Mühleberg. Dagegen liegen die dortigen Mühlmatten (1344: an den mülmattun) nicht bei der Mühle, sondern im Moosbrunnen.

Daß es in Neuershausen einst außer der bekannten noch eine zweite Mühle gab, wird aus dem Eintrag von 1407 ze der obern müli deutlich. Entweder stand diese oberhalb der bekannten Mühle, oder – falls es diese war, die 1407 gemeint war – unterhalb.

In Buchheim weisen der heute noch vorhandene Flurname Alt Mühle (1344: bi der alten müli, an der Neuershauser Grenze) sowie bi hildebrantz müli (1344) ebenfalls auf abgegangene Mühlen außerhalb des Dorfes hin. Die letztere Verbindung mit einem Personennamen war sogar noch im 18. Jahrhundert im Gebrauch. Das Holzhauser Gewann Holzmühle liegt hinter der Pflugswaide am Schobbach (1423: die holcz müli lit bi dem schoppach). Unklar ist, ob wir auch hier mit einer verschwundenen Mühle – "am Holz (Wald)" oder einer Sägemühle? - zu rechnen haben.

Eine seit dem 18. Jahrhundert bestehende Ölmühle nahe der alten Bötzinger Brücke hat dem Neuershauser Gewann Bei der Oele seinen Namen gegeben. Einen ganz anderen Gewerbezweig bekommen wir zu fassen, wenn wir im Buchheimer Gemarkungsplan vor dem Krittschachen Kohlplatz lesen. Das weist auf die Gewinnung von Holzkohle durch Köhlerei hin und, wahrscheinlich, auch auf eine frühere größere Ausdehnung des dortigen Waldes.  

Grenzen

Ein Wort für "Grenze" war "March" oder "Mark". Dies bedeutete eine "markierte" Grenzlinie, davon ausgehend auch die engere Grenzzone und schließlich ein Gebiet, das von einer Grenze umgeben war, zum Beispiel die "Gemarkung" eines Ortes. Wie letzteres mit dem Namen unserer Gemeinde zusammenhängt, ist ein Kapitel für sich, zu dem wir ein anderes Mal kommen. Festzuhalten ist, daß der Neuershauser Marchacker zwischen Mooswald und Nimburger Weg (1407: an dem ... March acker) wahrscheinlich nach seiner Lage an der Gemarkungsgrenze gegen Nimburg benannt ist. Vielleicht war es aber auch ein besonders "ausgemarktes" – ausgesteintes – Grundstück.

Gemarkungsgrenzen werden erst seit der Neuzeit generell mit Steinen gekennzeichnet. Im Mittelalter gab es mit Zeichen versehene sogenannte "Laachbäume". "Bannsteine", die ja aufwendig herzustellen waren, standen an besonderen Stellen. So etwa der "Rote Stein" auf dem Rücken des Marchhügels, an dem die Gemarkungsgrenzen von Buchheim, Holzhausen, Hochdorf und Hugstetten zusammentrafen und der dem angrenzenden Hugstetter Gewann seinen Namen gegeben hat.  seltener. Unklar ist die ursprüngliche Bedeutung der Hugstetter Namen Ober und Unter Tiefenstein an der Dreisam Richtung Umkirch sowie Ober und Unter Bemmenstein im Neubau- und Gewerbegebiet westlich des Bahnhofs. Letztere werden um 1450 als bennystein erwähnt, was vielleicht mit "Bannstein" in Beziehung steht. Andererseits verlief hier nie eine Grenze.

Auch die 1337 überlieferte, später verschwundene Bezeichnung ze den Phelen vor dem banholze in Neuershausen weist auf eine Abgrenzung hin; in diesem Falle wurde wohl das "Bannholz" – verbotenes Holz - mit Pfählen markiert.

Die Dörfer selbst wie auch manche einzelnen Grundstücke waren von Zäunen umgeben, wie etwa der Buchheimer Zunacker (1450: ze zune; 1489: der zunacker) . In Neuershausen heißt es 1337 in dem nidern velde dem man sprichet under zunen, also "im Niederfeld unterhalb - nördlich - des (Dorf-)Zaunes". Damit könnte die jetzige Ettermatt gemeint sein, denn der "Etter" war der geflochtene Zaun, der ein Dorf umgab.

Auch eine Hecke, mundartlich "Haag", konnte ein Grundstück begrenzen. Derartiges hat sich in den Neuershauser Namen Hägle östlich des Hofackers und Oberes bzw. Unteres Haag (1306: in dem hage) rechts und links der Dreisam erhalten.  

Weg und Steg

Über die meisten alten Straßen und Wege in unseren Dörfern ist anlässlich der Straßennamen an dieser Stelle schon berichtet worden; wir wollen das nicht nochmals ausbreiten.

Auf alte Verbindungswege, die heute weitgehend vergessen sind, weist das Holzhauser Gewann Oberpfad hin (1423: am oberen pfad do man gon Hochdorf gat wie auch die Obere und Untere Pfadmatt (erwähnt nicht vor 1773) am Weg in die Viehweid und in den Mooswald in Neuershausen.

Die wichtige Straße zwischen dem Kaiserstuhl (Eichstetten) und Freiburg durchzog drei unserer Dörfer. In Neuershausen liegen an der Dreisambrücke die Gewanne Oberer und Unterer Steinenweg (1407: am steinin wege). Sie zeigen vermutlich eine Pflasterung der Straße an. Da eine solche im Mittelalter nicht sehr häufig vorkam, ist nicht ausgeschlossen, daß hier eine alte römische Trasse verlief. Im weiteren Verlauf der Freiburger Straße liegen die Gewanne Sträßle in Buchheim und Hugstetten sowie Herrenweg in Hugstetten und Hochdorf. Letzteres ist wahrscheinlich abgeleitet von "Heerweg" – ein Name, den solche Überland-Verbindungen in früher Zeit recht oft trugen.

Eine "untergegangene" Straßenbezeichnung in Hugstetten ist die um 1450 überlieferte Scherers gassen von Buchheim über das jetzige Zentralgebiet zum Schmiedgässle. Eine weitere, hoch interessante ist der sogenannte "Kirchweg nach Umkirch" (1450: im ban bühel, oberthalbe dem kilch wege, der da gat von Hustat gön Unkilch). Er war nicht ganz identisch mit der späteren Umkircher Straße, sondern begann beim "Käppele" (Dreifaltigkeitskapelle). Dieses lag um 1450 ungefähr dort, wo heute die Königsberger Straße von der Freiburger abzweigt. Die frühe Beziehung der March zu Umkirch ist ein noch weitgehend ungeklärtes Rätsel. Die Kirchen in Hochdorf und Holzhausen waren Tochterkirchen von Umkirch. Die Neuershauser Einwohner hatten dort ein Begräbnisrecht, und es gab einen "Totenweg" über die Hoh. Und nun eben dieser Hugstetter "Kirchweg". Hier gibt es also noch etwas zu erforschen.

Von Fuhrwerken wurden Wasserläufe mittels einer Furt an einer seichteren Stelle durchquert. In Buchheim weist das Furtfeld (1344: vor dem furt) vielleicht auf einen solchen Dreisamübergang Richtung Gottenheim hin, der vor der jetzigen Brücke bestand. Auf den Mühlbach bezieht sich das Neuershauser – und zum kleinen Teil Buchheimer – Gewann Hinterfurt (1543: hinder dem Furth).

Sofern es Brücken gab, waren es meist einfache hölzerne Stege für Fußgänger. In Buchheim beziehen sich das Gewann Stegen (1344: die stegan) und der Stegenbach aufeinander. In Holzhausen ist 1327 die Rede von Bertholdes steg(en) bi dem brunnen irgendwo im Dorf. Aus Neuershausen kennen wir einen "Steg aus Tannenholz" (1407: am Tennin steg), der beim Gewann Steinenweg über die alte Dreisam ging. Steinenbrückle wiederum bezeichnet einen Übergang über den Herrenmühlbach, der ein Teil des alten Dreisamlaufs vor der Kanalisierung war. Der Name ist wahrscheinlich nicht sehr alt; immerhin stammt er offenbar aus einer Zeit, in der steinerne Brücken noch etwas Besonderes waren.

Einen Knüppeldamm über feuchten Untergrund heißt im Mittelhochdeutschen specke. In Holzhausen hat sich aus einer 1423 bezeugten speck mat am Schobbach anscheinend die Spöttmatt entwickelt. Auch in Neuershausen ist 1341 eine specke matten bezeugt. 

Das Wort Kinzig oder "Kinz(g)", dem eine keltische Herkunft zugeschrieben wird, kennen wir als Flussnamen. Im Breisgau bezeichnet es einen Hohlweg im Löß und kommt in alten Quellen sehr oft vor; heute ist es ungebräuchlich. Auf der Neuershauser Katasterkarte erscheinen als Gewanne noch die Hohkinzig (1341: uf der hohen kinzegen), die zum hoch gelegenen Teil des Nimbergs hinaufführt, und, unterhalb vom Bürgle, das Kinzigle (1344: neben der kleinen kinzen).

In Holzhausen gab es beim heutigen Wohngebiet Sonnhalde die "Blinde Kinzig" (1423: nebent der blinden kinczgun), wobei blint im Mittelhochdeutschen auch "dunkel, versteckt" bedeuten konnte. Die "Pfaffkinzig" (1327:des pfaffen kinzen) – teilweise heute noch ein Hohlweg - führt vom Roten Stein hinunter nach Hugstetten.  

In unseren Dörfern hat die jeweilige Herrschaft – seit dem Spätmittelalter der Adel – historisch eine große Rolle gespielt, und es ist kein Wunder, daß dies auch in Flurnamen zum Ausdruck kommt. Viele davon beziehen sich auf Herrenland, so etwa in Buchheim die Herrenmatte westlich der Dreisam. Dazu gehören aber auch die mit "Hof" gebildeten Namen, weil es sich dabei in der Regel um den "Fronhof" (Herrenhof) oder "Dinghof" (Gerichtshof) des Dorfes gehandelt hat. Je eine Hofmatte liegt in Buchheim (1344: in den hof mattan) entlang des Stegenbachs; in Holzhausen (1423: die hof matt, lit nebent der pflüg weid) unterhalb des Dorfes am gleichnamigen Bach und Wald. Der kompakte Hofacker in Holzhausen gehörte zum unterhalb liegenden großen Hof des Klosters Adelhausen ("im Mönchhof"). Auch der Neuershauser Hofacker – heute bebaut – war in früherer Zeit ein Stück Blockflur, das zum Dinghof und zur Burg, später zum Schloß gehörte.

Den herrschaftlichen Hof meinen auch mittelalterliche Ortsangaben wie hinderme hof (1407) in Neuershausen oder 1344 in Buchheim: dü gebreit hinder dem hof. Letzteres wurde in einer späteren Umdeutung zu "hinter den (Bauern-)Höfen", also Hinterhöfen.

Der hier aus Buchheim überlieferte Ausdruck dü gebreit weist auf ein Merkmal von herrschaftlichem Ackerland hin: Es lag, im Unterschied zu den kleinen, schmalen Äckern der Bauern, "weit hingebreitet". Dies hat sich auch erhalten in der Buchheimer Kurzbreit (1344: dü kurze gebreit) oder im Hugstetter Breitacker. In Neuershausen war "Breite" anscheinend eine frühere Bezeichnung für den Seeacker.

Der Name Brühl, wie er etwa in Holzhausen vorkommt, bedeutet in seiner mittelhochdeutschen Form brüel, bruwel zunächst ganz allgemein "Wässerwiesen, aber auch "herrschaftliches Wiesenland". In Holzhausen ist diese Bedeutung freilich zweifelhaft, denn das Gewann liegt weitab vom Dorf, was bei altem Herrenland selten der Fall war.

Zu den Rechten des Dorfherrn gehörte oft die "Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit", symbolisiert durch den Galgen ("Hochgericht"). Der Buchheimer Galgenacker war vermutlich Standort des Galgens in der Neuzeit; vorher könnte er auf dem Bürgle gestanden haben (1344: zem galgen bürgelin). In Neuershausen gab es im 18. Jahrhundert einen heute unbekannten "Galgenacker oder "Hochgericht" an der Grenze nach Eichstetten oder Bötzingen.  

Dorf, Gemeinde und öffentliche Einrichtungen

Der Hugstetter Wald Allmendschachen –wir haben ihn schon einmal kurz behandelt – wurde als Eigentum "aller Männer (Dorfeinwohner)" von der Dorfgemeinde betreut und verwaltet. Es ist anzunehmen, daß das nördlich vorgelagerte Gebiet, insbesondere der Allmendplatz, ursprünglich dazugehört hatte und dann als Viehweide genutzt wurde.

In unseren Dörfern war die "Allmend(e)" das älteste Gemeindeland; dazu gehörten außer Wald meist Weiden, oft auch Wiesen sowie Wege, Straßen und Plätze besonders im Dorf selbst. Solche Bereiche lagen in der ganzen Gemarkung verstreut, und deshalb ist mit der einfachen Bezeichnung "Allmend" in alten Quellen selten ein bestimmtes Gewann gemeint.

Etwas anders verhält es sich mit der sogenannten "March-Allmend", wie sie erstmals 1430 erwähnt wird. Die Wald und Weidegebiete, die den sechs Dörfern Benzhausen, Buchheim, Hochdorf, Holzhausen, Hugstetten und Neuershausen gemeinsam gehörten, lagen an bestimmten Plätzen vor allem auf Hochdorfer Gemarkung. Der Name Mark(wald) im äußersten östlichen Zipfel der Holzhauser Gemarkung stammt daher.

Der "Vogt" war bis 1831 der von den Einwohnern vorgeschlagene, vom Dorfherrn bestätigte Vorsteher einer Gemeinde. Ein Teil seiner Besoldung bestand in der kostenlosen Nutzung eines Stückes Gemeindeland. So gab es in Holzhausen die "Vogtmatten" (1327: matten dü ist des vogtes) innerhalb des Gewanns Löhlmatten. In Neuershausen lag ein "Vogtmättle" anscheinend nördlich vom Dorf. Auch andere Gemeindediener wurden gelegentlich auf diese Weise entlohnt. Josef Licht erwähnt eine Wiese namens "Uhrenspitz" unterhalb der Mühle, deren Ertrag dem Schulmeister als Entgelt für das Aufziehen der Kirchenuhr zukam. Ähnlich verhielt es sich wahrscheinlich mit den Hagenmatten, die wahrscheinlich nicht mit "Hag" (Hecke) zusammenhängen, sondern Futter für den "Hagen" lieferten. Offenbar hatte jedes Dorf mehrere "Hagen-" oder "Farrenmatten". In Buchheim liegt dieses Gewann an der Dreisam nahe der Neuershauser Grenze.

Hierher gehören noch zwei "ausgestorbene" Namen aus Neuershausen. 1344 heißt ein Platz im Dorf die Batstuben - ein der Herrschaft oder der Gemeinde gehörendes, vom "Bader" betriebenes Badehaus für die Einwohner. An unbekanntem Ort in der Gemarkung lag eine Gegend ze der nidern warthutten (1407). Hier ist wahrscheinlich ein Unterstand für den von der Gemeinde eingestellten Feld-Bannwart gemeint.  

Flurnamen, die sich in irgendeiner Form auf Kirche und Geistlichkeit beziehen, sind recht häufig. Zu einem großen Teil bezeichnen sie Besitzverhältnisse. So ist anzunehmen, daß ein Kirchacker (1359: der kilchen acker), wie er noch in Buchheim und Hugstetten verzeichnet ist, zur Ausstattung der Kirche gehörte. Dieser Name kam früher auch in Holzhausen – auf dem Kirchberg – vor. In Neuershausen wiederum gibt es eine Kirchmatt (1543: Kylch Matten) nördlich vom Dorf beim Brunnacker.

Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Pfaffenäckern und Pfaff(en)matten, die zum Einkommen des Pfarrers gehörten zum festen Flurnamenbestand fast jedes Kirchdorfes gehörten.

Bei anderen Namen ist die Sache weniger klar. Der Holzhauser Hölgacker südlich der Buchheimer Straße beispielsweise kommt erstmals 1489 vor als zum apffolder yetz zum heiligen acker genannt. Ein noch früher "zum Apfelbaum" genanntes Gewann war also umbenannt worden in "zum heiligen Acker". Spekulationen über ein dort befindliches (heidnisches) Heiligtum müssen wir allerdings entgegentreten. Der Acker könnte mindestens ebenso gut der Kirche gehört haben; man sagte diesfalls oft "er gehört dem Heiligen". Ganz in der Nähe liegt übrigens der Klaracker, bei dem Josef Licht eine Besitzzugehörigkeit zum Kloster St. Klara in Freiburg für möglich hält. Auch bei der Neuershauser "Gallenmatt", die südlich ans Dorf grenzte, lässt sich rätseln, ob sie einst dem Kloster St. Gallen gehörte, das schon im 9. Jahrhundert in Neuershausen Besitz erhielt, ob sie Eigentum der Hugstetter Kirche St. Gallus war oder ob sie ganz einfach nach einem Besitzer Gallus Soundso benannt war.

Mit der Bezahlung des Kirchendieners verbunden waren das Neuershauser Innere und Äußere Siegristenäckerle auf dem Berg wie auch das von Josef Licht erwähnte Holzhauser "Littmättle", das der Sigrist für das "Wetterläuten" nutzen durfte. Vom Graserlös der Neuershauser Orgelmatt (bei der Pfadmatt) wurde sicherlich die Orgel unterhalten.

Inzwischen dürfte bekannt sein, daß in Holzhausen der Obere und Untere Kapellenacker nach dem Standort der ehemaligen Buchsweiler Kapelle benannt ist, die um 1800 abgebrochen wurde, nachdem die zugehörige Hofstelle schon im 15. Jahrhundert verschwunden war. Das Neuershauser Gewann Bei der Kapelle (1660: beym Käppelin) ist benannt nach dem Vorläuferbau der jetzigen Dreifaltigkeitskapelle. Die Hugstetter Dreifaltigkeitskapelle – es wurde schon erwähnt – lag bis ins frühe 19. Jahrhundert (Entstehung des Schlossparks) ungefähr zwischen dem Bahnhof und dem Gasthaus Rotes Kreuz (Königsberger Straße). 1450 heißt es: an dem Bennystein [d. h.: Bemmenstein) zu dem Keppelly.  

Einige Flurnamen beziehen sich auf die Vorgeschichte unseres Raumes. Nicht ganz deutlich wird das beim Bürgle in Neuershausen am südlichen Aufgang zum Rebberg (1344: burgelin gen Nimburg). Die Volksüberlieferung hat fälschlich eine kleine Burg hierher versetzt, es ist aber aus den Quellen nicht ersichtlich, ob es eventuell eine vorgeschichtliche Wallanlage o. ä. gab. Jedenfalls werden in der Nähe (Wüstle) alemannische Bestattungen vermutet.

Auch beim Buchheimer Bürgle (1344: ze [galgen] burgelin) haben frühere Generationen, die von hallstattzeitlichen Grabhügeln noch nichts wussten, offenbar einen Burgplatz vermutet. Im 14. Jahrhundert scheint – siehe oben – ein Galgen dort gestanden zu haben.

Es gibt aber auch ein - sehr viel älteres - deutsches Wort für einen künstlich aufgeschütteten (Grab-)Hügel, nämlich hleo oder (h)lewe. Das Hugstetter Lehefeld (1344: am lewe) könnte seinen Namen durch frühe Alemannen erhalten haben, denen die Bestattungen im nahen Bürgle noch bekannt waren. Hierher gehört auch das Gewann Lai (1306: an dem lewe) vor dem Köllenberg in Neuershausen. Und ich meine auch, daß das Hugstetter Vorlehen (1450: an dem vorlee) hinter dem Bahnübergang rechts der Umkircher Straße, vielleicht sogar die Leiermatt (ohne frühen Beleg) ebenfalls an der Umkircher Straße, westlich der Dreisam. Ob in diesen Gewannen irgendwann einmal Funde zutage gekommen sind? 

Zuallererst einen Nachtrag. Die Information, daß es sich beim "Hagen" oder Farren" (siehe Hagenmatten in Holzhausen) um den Zuchtstier für die Kühe des Dorfes handelte, den ursprünglich die Herrschaft, später die Gemeinde unterhielt, war im letzten Heft leider untergegangen.  

In mehreren Flurnamen haben sich die Namen früherer Besitzer erhalten. So begegnen wir im 14. Jahrhundert in Buchheim und Holzhausen dem Personennamen Gengeler (1327: des gaenglers stude, 1344 der gengeler), der sich noch heute im Buchheimer Gängler erhalten hat. Sicher von Personen abgeleitet sind auch die Hugstetter Namen Hessenweier  - bei der Gärtnerei Kremp, entweder vom alten Vornamen Hesso oder vom späteren Nachnamen Hess(e) – und Wieblern (um 1450: in der wiblernun) ganz im Süden zwischen Dreisam, Allmendschachen und Freiburg-Lehener Grenze. Letzterer Name ist eine weibliche Form ("die Wieblerin"), die im Mittelalter oft bei Wiesen verwendet wurde, so auch (Hugstetten um 1450) die Brunerin.

Ein Zweifelsfall ist beispielsweise das Holzhauser Bosenrith (Richtung Bottingen), das sowohl eine mittelalterliche Person "Boso" als auch das alte Wort bosse oder busse für eine Bodenerhebung enthalten könnte. Die ebenfalls Holzhauser Offlismatten (im Süden) sind womöglich gebildet mit der Verkleinerungsform eines Personennamens "Offo" oder "Offa". In Neuershausen könnte die Töbismatt (nordwestlich, rechts der Dreisam) mit dem Vornamen Tobias, vielleicht aber auch mit "taub" = unfruchtbar zusammenhängen. In Buchheim dagegen hat die Karlsmatt am Mühlbach mit "Karl" ursprünglich nichts zu tun; sie heißt 1450 des karrers mat, was wiederum ein Personen-Nachname ist. Entsprechend der anschließende Hugstetter Karrismattacker.

Bei den Holzhauser Jungfraumatten im Nordteil der Gemarkung sieht Josef Licht einen Bezug zu den im 14. Jahrhundert erwähnten juncfrowen von Muncingen. Ob damit adlige Töchter oder nonnenähnlich lebende "Closnerinnen" gemeint waren, ist unsicher. Geistliche Besitzer werden in manchen heute nicht mehr gebräuchlichen Gewannbezeichnungen erwähnt – etwa die nach dem Freiburger Heiliggeistspital benannten spitaler matten 1341in Holzhausen und Neuershausen. Herrschaftliche Familien kommen zum Beispiel vor in Neuershausen Usenbergs acker (1344, Adelsfamilie der Üsenberger aus dem 13./14. Jahrhundert), Steinmeyers matte (1478, Dorfherrschaft im 15. Jahrhundert) oder der Rinckengarten (18. Jahrhundert, Zehntherrschaft Rinck von Baldenstein). Das Holzhauser Lehrmüngle nördlich vom Dorf (1423: lermündlins matt) wird von Josef Licht zu Recht mit Besitz der reichen Freiburger Familie Lermündli in Zusammenhang gebracht. 

Pflanzen als Namengeber von Flurstücken kommen vor allen in älteren Quellen sehr oft vor; hier deshalb nur eine Auswahl. In Buchheim verstehen sich Eichacker oder Erlenmatten, in Neuershausen Lindenacker natürlich von selbst. Der Holzhauser Griesacker an der Bottinger Straße ist nach dem alemannischen "Kriesbaum" (Kirschbaum) benannt, der wiederum aus dem Lateinischen (ceresia) übernommen wurde. Von einer Kirschensorte könnte auch der Neuershauser Welschenacker am Rebberg seinen Namen haben, möglich ist auch "Welschkorn" (Mais, angebaut manchmal schon im 18. Jahrhundert) oder "Welscher" = Franzose. Ebenfalls am Berg in Neuershausen liegen der Äußere und der Innerer Kriechacker (bekannt seit 1407), abgeleitet von "Kriechbaum" (Pflaumenbaum). In der Nähe sind vielleicht auch die Gewanne ze den siben Apholtern (1337, von "Affolter" = Apfelbaum) und ze dem nusbom (1341) zu suchen.

Vom mittelhochdeutschen sarboum (Pappel) hat möglicherweise der Buchheimer Serbenacker seinen Namen (1344 gibt es den Quellenbeleg zem sarboume), und in Neuershausen gab es 1728 das später nicht mehr erwähnte Saaremättle. In Hugstetten erscheinen die Weide im Wiedenacker (1344 in den widan), der Holunder im Holder (1344: ze Hustat ze holdern). Hagenbuch (1323: ze hagebuoch) ist benannt nach der Hainbuche, die eigentlich eine Birke ist. Dies könnte sogar der Name einer einstmals hier befindlichen, später abgegangenen Siedlung nahe der Dreisam sein, die 1094 (ohne Nennung von Buchheim oder Hugstetten) erwähnt wird. Da es bis ins 19. Jahrhundert einen Hugstetter "Hagenbuchzehnten" gab, ist – wie auch Heinrich Graner meint - eine Verbindung zumindest denkbar.

Sumpfpflanzen haben ihren Namen beispielsweise dem Holzhauser Röhrle gegeben oder kommen in den heute verschwundenen Neuershauser Namen an riedern (1344) oder riedern graben (1556) vor. Auf früheren Flachsanbau weist in Holzhausen in harlanden (1327) hin, denn damit war ein Grundstück gemeint, auf dem Flachs (mittelhochdeutsch har, bedeutet auch einfach "Faser") wuchs.  

Auch Haus- und Wildtiere erscheinen oft in Flurnamen. Der Name kann sich konkret auf das Vorkommen von Tieren beziehen oder nur bildlich gemeint sein. Für ersteren Fall sind die schon erwähnten "Hagenmatten" oder die Holzhauser "Gänsweiher" (1590: Genßweiher), "Gänsmättle" (1423: das gense metli) oder "Gänswinkel" Beispiele. Ebenfalls in Holzhausen trieb man nach der Ernte die Ziegen auf den Geisacker an der Straße nach Benzhausen; in Hugstetten hat das Geisloch (um 1450: in dem geiszloch) sicher eine ähnliche Bedeutung. In Neuershausen bezeichnet Sauwasen (eindeutig 1773: Säu-Wässemen) die Schweineweide hinter dem Dorf. Weideplätze waren auch die Hugstetter Stierläger, jetzt Gewerbegebiet, sowie die Neuershausen Rossmatten (1407: Roßmatten neben dem Brunnakkher) mit dem Rossmattenacker.

Wo wildlebende Tiere häufiger vorkamen, bildeten sich entsprechende Namen, so etwa die Storchenmatte (1423 storken matt) nahe dem Holzhauser Röhrle oder der Neuershausen Hasenacker an der Dreisam (falls er nicht vom Personennamen Hasso oder Hesso abgeleitet ist). In Hugstetten bedeutet Entenschwan (um 1450: entten schwan) nicht etwa eine Kreuzung beider Arten, sondern hängt mit swan(d) zusammen: also eine Rodung an der Dreisam, wo es viele Enten gab. Ähnlich in Neuershauser Entenloch und Entenlochmatt.

Ein "bildlicher" Namen ist vermutlich das beim Neuershauser Storchennest nahe der Viehweid, wo es vielleicht viel wildes Gestrüpp gab, ganz sicher der Hundsrücken (17. oder 18. Jahrhundert) nach einer langgestreckten, gewölbten Geländeform. Allerdings kann ein mit "Hund-" gebildeter Name auch die negative Bewertung eines Flurstücks anzeigen. Das war wohl der Fall in Holzhausen, wo man 1423 von eine Hofstätte sagte, sie lit uf der huntlachun ("Hunde-Pfütze"?) – was immerhin weniger krass klingt als der gleichzeitige Eichstetter Flurname hunt-seich.

Vielleicht müssen wir beim bildlichen Gebrauch auch den Hugstetter Hengstacker (1344: zem hengest) einordnen, denn angeblich kann mit "Hengst" ein dürres Feld gemeint sein. Gleichwohl ist auch irgendein Bezug zum männlichen Pferd möglich.

Der Vogelsacker auf den Gemarkungen Buchheim und Neuershausen kann seinen Namen sowohl von unseren gefiederten Freunden erhalten haben als auch nach einer Freiburger Familie, die Grundeigentum in Neuershausen besaß.  

Unklares und Nachzutragendes

Bei Namendeutungen, die ohnehin nur selten völlig eindeutig sind, bleibt stets ein Rest an schwer Erklärbarem, an dem sich die Phantasie abarbeiten kann. In Buchheim etwa ist die Bezeichnung Schampagner auf den 1871er Krieg gegen Frankreich zurückgeführt worden (Buch von Buchheim). In Wirklichkeit kommt der Name schon 1433 als Schanbaenye vor – zweifellos ein französisches Wort, aber ohne Schaumwein-Bezug. Im Altfranzösischen bedeutet champagne ein "ebenes Feld". Da viele französische Wörter im Mittelalter mit dem Ritterwesen übernommen wurden, hat man hier den Buchheimer "Turnierplatz" angenommen – letztlich aber sehr fraglich. Viele französische Wortentlehnungen brachte auch das Kriegswesen im 17./18. Jahrhundert. So könnte der Name Rundöhl auf dem Neuershauser Berg aus "Rondell" entstanden sein, wie man eine kleine befestigte Aussichtsplattform nannte.

Die in Buchheim und Neuershausen vorhandenen Gewanne namens Ketsch sind in dieser Lautgestalt ungewöhnlich. Vielleicht hat man ein früheres "Kessel (Senke)" (Buchheim 1344: ein holz ... nemet man der kezzel) später verballhornt – ganz befriedigend wirkt diese Lösung zugegebenermaßen nicht. Das gilt auch für den Batzenwinkel zwischen Dreisam und Mühlenbach. Er heißt 1407 noch wazzen winckel, was die Ableitung von einem germanischen Personennamen Wazzo nahe legt, aber nicht nachweist. Dagegen ist mit Rank (Neuershausen, kommt vor seit dem 18. Jahrhundert) "Flussbiegung" gemeint, in diesem Fall des alten Dreisamlaufs. Wand (1306: an der gewande) – in Neuershausen, nördlich des Dorfes – bezeichnet höchstwahrscheinlich die Seite eines Ackers, wo der Pflug gewendet wurde (auch: "Anwand").

Andere Namen sind ganz unbefriedigend oder (noch) gar nicht zu deuten. Der Name für das Hugstetter Ackergewann Laternen etwa (am Aufstieg gegen den Roten Stein hin) bleibt ein Rätsel. Sicher ist nur, daß er im Laufe der Zeit "verbildet" wurde, denn 1344 heißt es noch uf der blatternen. Kommt er aus dem mittelhochdeutschen blater (Blase, alemannisch: "Bloodere") und soll ein Wasserloch bezeichnen?

In Holzhausen ist die Bedeutung von Meyle für das im äußersten Norden gelegene Wiesengewann nicht zu ergründen, es sei denn, man habe vielleicht die "meilenweite" Entfernung vom Dorf festhalten wollen. Ganz in der Nähe liegen die Wiesen im Schleifstein (1341: an dem slifstein). Zwar ist einsichtig, daß beim Mähen mit der Sense ein Schleifstein nötig war. Aber wie kam es zum Namen? Brauchte man ihn hier vielleicht besonders oft, weil der Boden uneben und steinig war?

Beim Eisenfuß (vor 1543: Ysenfuß, Isenfuß) in Neuershausen zwischen Mooswald und Kolben käme am ehesten eine Entstehung aus isen bos in Frage, ein Flurname, den es auch in Reute gibt, der aber selbst kaum deutbar ist ("Eisenhügel"?). Auch ein Personenname wie etwa "Isenhard" könnte darin enthalten sein, oder es handelt sich um eine bildliche oder sonstige Anspielung, die wir Heutigen nicht mehr verstehen.

So etwas liegt beispielsweise vor bei einem der seltsamsten mir bekannten Marcher Flurnamen, der allerdings heute nicht mehr gebräuchlich ist. Auf dem Nimberg, beim "oberen" Brunnacker – hinter dem Stock -, wird noch 1657 ein Flurstück das Weyb genannt. Schon 1344 heißt es: da das wip da lit ("wo die Frau (da) liegt"). Der Sprachforscher Klaus Peter Roos vermutet einen "Ereignisnamen", dessen Anlaß dann wohl immer unbekannt bleiben wird. Oder handelt es sich um ein früh entdecktes vorgeschichtliches Frauenbegräbnis?  

Das wär`s also fürs erste mit unseren Flurnamen. Ob die vorgestellten Deutungen alle richtig sind, bleibt natürlich dahingestellt. Erschöpfend jedenfalls war die Aufzählung von Namen – so lang sie auch ausgefallen ist –ganz sicher nicht.

Deshalb meine Anregung: Ein paar Interessierte – vielleicht vom Heimatverein March oder dem Holzhauser Kultur- und Geschichtsverein – könnten gezielt und mit Karte bewaffnet bei älteren Leuten nachfragen, welche Namen sonst noch bekannt sind oder waren. Oder man fragt Oma und Opa beim Sonntagsspaziergang einfach mal, wie man dieses Feld nennt oder genannt hat – und die Wiese dort – und die Reben dort oben ... Vielleicht entsteht auf diese Weise irgendwann ein "Flurnamenbuch der March".

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