Geschichtliche Spurensuche

Herrschaftswechsel in Buchheim und Hugstetten nach dem Tode Alexander Stürtzels von Buchheim

von Thomas Steffens 

Die folgende kleine Abhandlung –durch die notwendige Genealogie hoffentlich nicht allzu sehr erschwert – ist Teil der vorbereitenden Arbeit zur Ortsgeschichte von Hugstetten, genauer: zur Herrschaftsgeschichte. Dort gibt es zwischen dem Tod des letzten Stürtzel und der Heirat Conrad von Andlaus mit Maria Sophia Helene von Schackmin, der Tochter des damaligen Herrn in Hugstetten eine gewisse Lücke zu füllen. Wie kamen die Schackmin nach Hugstetten?

Die im Staatsarchiv Freiburg befindlichen Akten des Familienarchivs von Andlau / von Mentzingen können darüber etwas verraten. Dank an Heinrich Graner, Hochdorf, aus dessen "Familienblättern" zur Herrschaft ich manches Datum entnehmen konnte.

Am 27. Oktober 1790 starb der Deutschordenskomtur Alexander Joseph Carl Thaddäus Stürtzel von Buchheim. Er war beim Tod seines einzigen Bruders Franz Anton Ignaz 1755 – dessen zwei Söhne damals bereits verstorben waren - zum Alleinerben der Stürtzelschen Besitz- und Herrschaftsrechte in der March geworden. Da er selbst als Angehöriger eines geistlichen Ordens unverheiratet geblieben war, starb 1790 mit ihm das Geschlecht Stürtzel von Buchheim in männlicher Linie aus. Allerdings hatte Alexander noch drei Schwestern, Maria Sophia Josepha, Maria Elisabeth Johanna und Maria Helena, die in süddeutsche Adelsfamilien eingeheiratet hatten.

Der Besitz Alexander Stürtzel 1790 lässt sich in zwei große Gruppen aufteilen, wobei wir uns hier auf die March beschränken:

- Da war zum einen das erbliche österreichische Lehen, das 1491 der erste hiesige Stürtzel, Kanzler Konrad, erworben hatte und das in der Folgezeit jeder Habsburger Landesherr den männlichen Erben in der Familie erneuert hatte. Es bestand im wesentlichen aus dem Schloß Buchheim mit seinem Zubehör sowie aus der Gerichts- und Ortsherrschaft in Buchheim, Hochdorf und Benzhausen mit ihren Einkünften.

- Zum anderen gab es sogenanntes "Allod" (freies, nicht verliehenes Eigentum), das die Stürtzel entweder 1491 oder in den drei Jahrhunderten danach gekauft hatten. Dazu gehörten sechs Siebentel der Herrschaft in Hugstetten mit ihren verschiedenen Einkünften und Rechten sowie das dortige "alte Schloß". Das restliche Siebentel am Hugstetter Eigengut war schon im frühen 18. Jahrhundert durch eine Heirat der Maria Anna Barbara Stürtzel in die Hand der Familie von Speidel gekommen, die seitdem "Teilherrschaft" in Hugstetten war.

Bei Alexanders Tod 1790 fiel das nur in männlicher Folge vererbbare österreichische Lehen Buchheim – Hochdorf – Benzhausen zurück an den Lehensherrn, das Haus Habsburg. Dann kam es an einen neuen Besitzer, der schon ein Vierteljahrhundert darauf wartete, weil ihm Königin Maria Theresia bereits 1764 die Lehensnachfolge für Alexander Stürtzel von Buchheim zugesichert hatte. Es war der verabschiedete Kavalleriegeneral Heinrich Ludwig von Schackmin. Dieser Familie und ihrer nur elf Jahre dauernden Herrschaft in der March wollen wir etwas nachgehen.

Diese ursprünglich bürgerliche Familie – sie schrieb sich französisch: Jacquemin - ist seit dem frühen 17. Jahrhundert in Lüttich, Luxemburg und Lothringen nachweisbar. 1736 (??) wurde Nicolas Schackmin, als Beamter in Saargemünd lebend, wegen Verdiensten um Maria Theresias lothringische Heirat geadelt. Seine Söhne: Johann Nikolaus (Jean Nicolas) Frh. v. Schackmin, k.k. Rat u. Oberamtmann, und Heinrich Ludwig (geboren 1719), Reitergeneral.

Die Gründe für Heinrich Ludwigs Anwartschaft auf das Stürtzel-Lehen – die Schackmin hatten bis 1764 keinerlei Verbindung zur March - bedürfen noch einer Klärung. Wahrscheinlich hängen sie damit zusammen, daß der General mit seiner Truppe öfters in Freiburg stationiert war und daß er auch nach seiner Verabschiedung dort lebte, wenn er sich nicht gerade in Wien befand.

Jedenfalls war schon 1764 festgelegt worden, daß das Lehen oder die Anwartschaft beim Tode des Generals – er war und blieb unverheiratet - auf seinen Bruder Johann Nikolaus von Schackmin bzw. dessen Sohn Franz Stephan (Nikolaus) (geboren 1747) übergehen sollte. Anzumerken – weil in der Folge wichtig – ist, daß eine Tochter Johann Nicolaus' und Schwester Franz Stephans, Maria Anna Margaretha von Schackmin, mit einem rheinländischen Reichfreiherrn Johann Hartmann Ignaz von Umbscheiden verheiratet war.

Bei seinem Neffen Franz Stephan hat der General offenbar schon in früher Jugend eine Art Vaterstelle eingenommen. Er sorgte für seine Ausbildung im Militär- und Zivildienst, beglich – angeblich – immer wieder Spiel- und sonstige Schulden, nahm ihn in sein Freiburger Haus auf und bewirkte schließlich die Ernennung des Neffen zum vorderösterreichischen Regierungsrat in Freiburg 1774/75.

1775/77 begann Franz Stephan Heiratspläne zu schmieden. Die Auserwählte war ein Fräulein Maria Catharina Josepha Gräfin Überacker, die in Mühldorf am Inn lebte, wo ihr Vater Wolfgang Graf Überacker in Diensten des Bischofs von Salzburg stand. Die Brautmutter war niemand anderes als Maria Helena geborene Stürtzel von Buchheim, eine Schwester des Komturs Alexander. Dieser hat anscheinend die Heirat seines "Fräuleins nièce (Nichte)" mit Franz Stephan von Schackmin eifrig betrieben, wobei ihm nicht klar war, daß dieser noch weitgehend auf Kosten seines Onkels, des Generals, lebte und sein eigenes ererbtes Gut in Lothringen nahezu verschleudert hatte. Nachdem sein Vater Johann Nikolaus 1772 verstorben war, hatte er einen Teil davon dem Mann seiner Tante Elisabeth von Schackmin – Schwester seines Vaters und des Generals – abgetreten, einem gewissen Joly de Morey, dessen Sohn wir um einiges später in der Buchheimer Geschichte begegnen.

Durch seine Heirat mit der Stürtzel-Nichte – sie fand zwischen 1777 und 1780 in Mühldorf statt – war Franz Stephan von Schackmin sozusagen auf dem Weg in die March. Denn in seinem 1780 ausgefertigten Testament setzte der Komtur Alexander - wenn auch erst nach seiner Schwester Maria Sophia Josepha, verwitweten Freifrau von Schönau - die "nièce" Maria Catharina von Schackmin als Universalerbin ein. Sie hatte also wenigstens auf einen Pflichtteil vom Stürtzelschen Sechs-Siebentel-Anteil an den Hugstetter Liegenschaften und Einkünften zu hoffen. Anscheinend hat Alexander für Maria Catharina Gräfin Überacker überhaupt viel übrig gehabt; nach seinem Tode jedenfalls ließ sie ihm einen Grabstein (auf dem Freiburger Alten Friedhof) errichten, auf dem sie ihrem "Oheim, Wohlthäter und Freund" dankt.

Das gute Verhältnis des Ehepaars zum General Heinrich Ludwig von Schackmin dagegen zerbrach offenbar bald nach der Hochzeit. Der eigentliche Grund des Zerwürfnisses bleibt merkwürdig unklar. Zwar soll Heinrich Ludwig von Schackmin schon lange Zeit sehr verärgert über den Leichtsinn und die Undankbarkeit seines Neffen gewesen sein, andererseits hat er den Hochzeitern – so schrieb er jedenfalls – Geschenke für über 4.000 Gulden verehrt. Eine regelmäßige größere Geldzahlung an die junge Frau, die der General laut Ehevertrag leisten wollte, aber dann verweigerte, gab Anlaß zu einem mehrjährigen Prozess zwischen Onkel und Neffen.

Als sich – Jahre später – Ende Oktober 1790 der baldige Tod des Komturs Alexander Stürtzel und damit die Einsetzung Heinrich Ludwigs von Schackmin in das Stürtzel-Lehen abzeichnete, versuchte letzterer, den inzwischen völlig verhassten Neffen Franz Stephan als rechtmäßigen Lehenanwärter nach ihm selbst auszuhebeln. Zu diesem Zweck adoptierte er die beiden Söhne von dessen Schwester Maria Anna Margaretha von Umbscheiden, geborener von Schackmin, und setzte sie als Erben und nächste Lehenanwärter ein. Dies geschah am 23. Oktober 1790, fünf Tage bevor der Komtur wirklich starb.

Nun kamen die Schackmin in der March an zwei Stellen zum Zug. Maria Catharina geborene Gräfin Überacker gelangte in den Genuss des Gesamterbes an Allodien, da ihre Tante und "Konkurrentin" Maria Sophia Josepha ebenfalls schon verstorben war. So konnte Franz Stephan von Schackmin im Namen seiner Gattin die Herrschaft in Hugstetten antreten, wenn er diese auch alle sechs Jahre für ein Jahr an die Mitherrin, Frau von Girardi, geborene von Speidel, abgeben mußte.

Der General Heinrich Ludwig von Schackmin, mittlerweile einundsiebzigjährig, wurde endlich in das lang erwartete Lehen Buchheim – Hochdorf – Benzhausen eingewiesen. Daß er diese "seine" Dörfer je zu Gesicht bekommen hat, ist unwahrscheinlich; daß er gar das Schloß Buchheim bezog, fast ausgeschlossen. Denn kein ganzes Jahr später, am 22. August 1791, starb er selbst, offenbar in Wien. Sein Adoptions-"Trick", den Neffen Franz Stephan von der Lehensnachfolge fernzuhalten, hatte keinen Erfolg. Die Umbscheiden-Söhne wurden durch Kaiser Leopold II. in der Reihenfolge zurückgestellt, behielten aber eine Anwartschaft für später. Franz Stephan von Schackmin erhielt zum Hugstetter Erbe seiner Gattin nun noch Buchheim, Hochdorf und Benzhausen.

Viel Freude bereitete ihm das Lehen anscheinend nicht. Zunächst galt es eine beträchtliche Lehens-"Taxe" an den Landesfürsten zu entrichten. Selbst die Adoptionstaxe für die Umbscheiden-Söhne mußte Franz-Stephan zahlen, was ihn wohl erbittert haben wird. Auch hatte der General – wenn wir dem Neffen trauen dürfen –durch Spekulation Schulden in Höhe von "Zehntausenden von Gulden" gemacht, die nun angeblich auf dem Lehen lasteten. Der Schackminsche Familienbesitz in Lothringen befand sich in der Hand der Familie Joly de Morey – zutreffender: in der Hand des revolutionären Frankreich, vor dem man hatte flüchten müssen.

Der Wohnort Franz Stephans von Schackmin und seiner Familie war – außer Freiburg – sicherlich zeitweise das Buchheimer Schloß. Daß bereits er in Hugstetten neben dem alten Stürtzel-Gebäude das jetzige Schloß erbauen ließ, ist nicht sehr wahrscheinlich – es sei denn, seine Finanzlage habe sich verbessert. Das war aber sicher erst nach 1798 der Fall, als die Tochter Maria Sophia den vermögenden Conrad Friedrich Carl Freiherrn von Andlau-Birseck geheiratet hatte und damit ein neues Kapitel in der Hugstetter Herrschaftsgeschichte aufgeschlagen worden war.

Franz Stephan von Schackmin starb 1801. Die Grundherrschaft Hugstetten blieb in der Familie von Andlau. Das Lehen Buchheim – Hochdorf – Benzhausen aber kam zunächst an den Sohn von Franz Stephans Tante, Nicolas Antoine Joly de Morey, der – wie auch immer – plötzlich im Breisgau aufgetaucht war. Hier gibt es noch allerlei Zusammenhänge aufzudecken.

Ein letztes Nachspiel der hier berichteten Verwicklungen gab es – so nach der alten Freiburger Kreisbeschreibung -, als nach dem Tode des Herrn Joly de Morey 1824, das Buchheimer Lehen vom badischen Großherzog seinem Minister Reinhard von Berstett übergeben werden sollte. Offenbar wies sich jetzt ein Freiherr Heinrich "von Schackmin von Umbscheiden" als Sohn eines der beiden vom General von Schackmin adoptierten Umbscheiden-Söhne aus und erhob Ansprüche auf das Lehen. Angeblich zog er diese erst 1838 zurück, nachdem er mit 24 000 Gulden abgefunden worden war.

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