"Neues" Schloss nach historisch altem Vorbild

SCHLÖSSER IN DER MARCH (II): In Holzhausen residierten einst die Herren von Harsch, die auch im benachbarten Reute eine Residenz hatten

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Schmidt

Das Schloss in Holzhausen (rechts) ist ein Nachbau des Herrenhauses der Fr ...mehr

MARCH-HOLZHAUSEN. Ein alter Schlossherr, längst verstorben, hat im Haus immer noch einen Ehrenplatz. Sein Porträt hängt im Entree, gleich neben der Eingangstür. "Ferdinand Freiherr von Harsch" steht unter dem Bild geschrieben. Die Herren von Harsch besaßen vom 17. Jahrhundert an die Ortsherrschaft über Holzhausen und ließen sich an der Buchsweiler Straße ein Schloss bauen.

Genauer gesagt war es eigentlich nur ein herrschaftliches Wohnhaus, "kein Vergleich mit den Schlössern in Hugstetten oder Neuershausen" , meinen die heutigen Eigentümer, Walter und Hildegard Steiert. Obendrein musste das Haus nach 200 Jahren abgerissen werden, weil es baufällig war. Das Riegelfachwerk in den Wänden war morsch, "die Holzbalken in den Decken gaben nach" , weiß Walter Steiert.

Seine Mutter Elisabeth und deren Mutter Berta Reiß (geborene Köllinger) haben 1962 dann das neue Schloss gebaut, am alten Ort und "nach altem Vorbild" . Fast alles stimmt mit dem

FOTO: Barbara Schmidt

Original überein, angefangen beim fast quadratischen Grundriss bis hin zu den weißen Sprossenfenstern. "Der unbefangene Beschauer wird glauben, einen wiederhergerichteten, originalen Barockbau vor sich zu haben" , lobte schon Martin Hesselbacher 1964 im Nachrichtenblatt für Denkmalpflege.

Anstatt das Haus wieder aufzubauen, hätten die Eigentümerinnen das Grundstück auch einfach als Bauland verkaufen können. Das wäre für sie "gewiss der bequemere und auch lukrativere Weg" gewesen, mutmaßte Hesselbacher. Berta Reiß und ihre Tochter entschieden aber, dass Schloss zu erhalten Der Wiederaufbau war aufwändig: Die Wände sind zwar nicht mehr aus Fachwerk, sondern gemauert. Oben wölbt sich aber, wie früher, ein markantes Dach mit Krüppelwalmen und Dachgauben. Wo vormals der Haupteingang war, führt heute eine steinerne Treppe nur noch in den Garten. Als Eingang dient inzwischen eine Tür auf der Hofseite, "das war früher der Seiteneingang" , sagt Hildegard Steiert.

FOTO: Barbara Schmidt

Sie verwahrt alle Unterlagen über das Haus; die Heimatgeschichte sei ihr Steckenpferd, sagt sie.

Vom Seiteneingang kam man früher direkt in die große Küche, von der ein Flur zu den anderen Wirtschaftsräumen führte. Die Flure durchzogen das Haus von Giebel zu Giebel, eine breite Eichenholztreppe führte in den zweiten Stock. An diesen Grundriss mussten sich Berta Reiß und Elisabeth Steiert halten, als sie den Neubau planten. Dem entsprechend "herrschaftlich" und zugleich auch ein wenig unpraktisch ist die Raumaufteilung noch heute, meint Hildegard Steiert. Die Bäckerfamilie aus Neuershausen wohnt erst seit einem Jahr in dem Haus. Die beiden oberen Stockwerke sind schon lange vermietet, die Mieter haben den Garten mit Rosenstöcken und gusseisernen Möbeln hergerichtet.Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Das gilt auch für die angrenzende Scheune und die Ställe, die noch original aus den Harsch'schen Zeiten erhalten sind.

Über dem Scheunentor prangt noch das Allianzwappen der Freiherren. Die Gebäude zu erhalten, ist nicht immer einfach. Einen Stall und die ehemalige Kutschenremise nutzen die Mieter als Garage. Die große Scheune steht aber leer, "wir wollten eigentlich Wohnungen daraus machen" , sagt Hildegard Steiert. Sie ließen die Ausbaupläne aber fallen, denn die Denkmalpfleger machten Auflagen. "Die Dachkonstruktion hätte offen bleiben müssen, so dass man sie von unten sieht" , sagt Walter Steiert, "dann hätten wir hier aber fünf Meter hohe Räume gehabt" .

Die Familie besitzt das Schloss in vierter Generation. Großmutter Berta war eine Tochter von Ferdinand Köllinger, seines Zeichens Gärtnermeister und Schlossverwalter bei den Freiherren von Harsch und später auch Bürgermeister von Holzhausen. Er kaufte das Herrenhaus, nachdem 1874 der letzte männliche Erbe der Adelsfamilie gestorben war. Zuvor hatten schon Köllingers Vater und Großvater das Harsch'sche Anwesen verwaltet.

Doktor Andreas Harsch hatte um 1600 ganz Holzhausen gekauft, zusammen mit Ober- und Niederreute. Es war die Zeit, als Bauern noch Leibeigene waren; sie mussten dem Ortsherrn Frondienste und Abgaben leisten. "Früher gehörte auch die Herrenmühle mit zum Schloss" , weiß Walter Steiert. Der Schlossbezirk war, neben dem Kirchenbezirk, Dreh- und Angelpunkt des Dorfs.

Die Ortsherren wohnten vorwiegend in Reute, bis ihr Haus dort um 1750 durch einen Brand zerstört wurde. Spätestens dann ließen sie das Schloss in Holzhausen bauen, "alten Quellen zufolge war der Holzhauser Standort aber schon früher herrschaftliches Gelände" , heißt es in der Ortschronik.

Die Anfänge für eine herrschaftliche Residenz liegen vielleicht im Mittelalter oder aber im Jahr 1684. Diese Zahl steht nämlich auf der niedrigen Bruchsteinmauer an der Einfahrt zum Schlosshof, wie Walter Steiert verrät.

Schloss und der Garten sind nicht öffentlich zugänglich und können nicht besichtigt werden.

Badische Zeitung vom 01. September 2007

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